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Arbeiten mit der Leica M Monochrom

Arbeiten mit der Leica Monochrom

Ich beginne ganz am Ende mit der Frage ob eine Kamera einen solchen Preiss rechtfertigt. Meine Antwort ist, dass sich diese Frage ganz unmöglich beantworten lässt. Die Frage nach der Monochrom muss völlig anders gestellt werden.

Aber jetzt zurück an den Anfang: ich halte eine kleine, massiv gefertigte schwarze Dose ohne sichtbaren Aufdruck in meinen Händen. Ich besitze bereits seit Jahren ein M9. Für mich die perfekte Kamera, auf die ich Jahre gewartet habe. Die M9 ist mein zuverlässiges Werkzeug geworden. Als Street-Fotograf kann ich mit dem 35mm Summilux Gesichter aus einer bewegten Menge schälen, mitten auf den Straßen von Hanoi oder Shinjuku Metro Station Tokyo, messerscharf,  farbgewaltig und mit einem Bokeh, wie ich es von keiner anderen Kamera kenne. Leica Farben sind „creamy“ und mystisch. Wer nur scharfe Fotos will, der kauft sich ein anderes Werkzeug; M-Fotografen wollen Bilder malen, zumindest ist das meine feste Überzeugung. Nun habe ich mich dennoch entschieden, mir zusätzlich eine Monochrom zu kaufen, im festen Bewusstsein meine M9 niemals und unter keinen Umständen abzugeben. Warum? Spielerischer Leichtsinn, Experimentierfreude oder Strategie? Vermutlich von allem etwas, jedoch insbesondere um die Möglichkeiten von 35MB RAW-Dateien für meine persönliche Bildsprache auszutesten.

„Gibt es Bilder, die meine Möglichkeiten mit einer M9 überschreiten?“

„Bilder die expressiver sind?“

Jakob Aue Sobols Reise von Moskau nach Bejing hatte mich aufgerüttelt.

Nicht dass ich diesen Stil kopieren wollte, zu individualistisch und eigen. Dem nachzueifern wäre im Eklektizismus geendet, das war ganz sicher. Ich war mir am Ende überhaupt nicht ganz sicher, wohin ich wollte, war aber in einer Aufbruchsstimmung und im Bewusstsein Neuland zu betreten. Die Möglichkeit einer Enttäuschung hatte ich mit eingeplant. Zurück zur kleinen schwarzen Dose, die sich von meiner M9 nur dadurch unterschied, dass ich noch weniger in den Händen hielt und doch mehr bezahlt hatte. Ein Meisterwerk von Reduktionismus und Gradlinigkeit. Die zweite Ernüchterung stellt sich ein, als die ersten Ergebnisse auf dem Screen zu sehen waren, unspektakuläre graue Bilder ohne Besonderheit. Das war mir zumindest bewusst. Die ersten wesentliche Erweiterung ist aber dann das Clipping, d.h., die Funktion zum Anzeigen von Über- oder Unterbelichtung, ich blauen und roten Feldern. Hier sei vorweggenommen, dass Unterbelichtungen später in Photoshop noch oft ausgeglichen werden können, Überbelichtungen dagegen nicht. Das bietet für die richtige Belichtung in der Schwarzweiß Fotografie einen deutlichen Vorteil.

Der eigentliche Vorhang für die Show der Monochrom hebt sich aber beim Öffnen der RAW-Dateien in Photoshop oder Lightroom.

„35 MB Grauwerte machen einen Unterschied.“

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Die Möglichkeiten der Bearbeitung sind einfach deutlich grösser. Und dennoch muss hier einschränkend eingeräumt werden, dass für klassische Schwarzweiß Bilder eine M9 in 80% aller Fälle die gleichen Dienste tut. Das wiederum bedeutet, dass in 20% aller Fälle zusätzliche Möglichkeiten bestehen. Wer durch das Internet brows´t und nach Beispielen auf Flickr, Steve Huff´s Website oder ähnlichen sucht, wird meist enttäuscht. Es scheint so als ob wenig begabte Fotografen mit gutem Geld ein neues Statussymbol erworben haben. Ich jedenfalls war schockiert wieviel fotografischer Abfall sich z.B. auf Facebook „My new life with the Leica Monochrome“ befindet.

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Das aber spricht noch nicht gegen diese Kamera, es kommt eben doch darauf an, was man damit macht. Meine erste Reise mit der Monochrom ging nach Flores in Indonesien. Ich hatte ein kleines Stativ, ein 21mm Elmarit und ein 25mm Biogon, jeweils mit Gelbfilter, für das Biogon zusätzlich ein Graufilter (BW x3) mitgenommen. Mein Plan war, insbesondere Landschaftsaufnahmen und Reiseportraits zu machen, und zwar in klassischer Form, teilweise dem alten 400T Max nacheifernd. Die Ergebnisse meines ersten systematischen Testlaufs mit der Leica Monochrom sind überragend. Die Möglichkeit  mit dramatischen Kontraste oder Konturen von aussergwöhnlichlicher Detailgenauigkeit zu gestalten sind richtig angewandt einfach faszinierend. Aber auch die Weichheit der Grauwerte wie sie sonst mit einem  Agfa APX oder Ilford HP5 gelingen übersteigen die Möglichkeiten der M9 bei weitem.

Wer sich auf dieses Experiment einlässt und sich einarbeitet, dem können Bilder von Klassischer Schönheit und Klarheit gelingen die am ende die frage nach der Preis Leistung in den Hintergrund drängen. Die Monochrom ist eine launische, kostspielige Gefährtin deren Begleitung man am Ende schätzten wird.

 

F.P. Lohoff


Ein Kommentar to “Arbeiten mit der Leica M Monochrom”

  1. Ich hatte noch keine Gelegenheit mit der Leica Monochrome zu fotografieren, aber bereits die ersten Beispielbilder erinnerten mich, als langjährigen analog-S/W-Fotografen an sehr geschätzte Bildwirkungen von bestimmten Fil-Entwickler-Kombinationen, die ich bisher nur sehr selten, auch nur annähernd aus digitaler Produktion gesehen hatte.
    Zum einen den extremen (Grau-)Tonwertreichtum und die unglaubliche Menge an Details eines Technikal-Pan, in Neofin-Doku entwickelt. Zum anderen meines geliebten HP5 (später notgedrungen ersetzt durch den Neopan 400)m entwickelt in Microphen – eine Kombination mit deutlich sichtbarem Korn, welche aber unverkennbar scharfe Kanten zeichnete(dank dünner, entwickelter Silberschicht). Ein Traum für die Streetfotografie, weil das gesehene Motiv so gut sichtbar vom Umfeld abgehoben werden konnte (meist mit Gelb-Filter und Weitwinkel). Außerdem gut für den grobgerasterten Zeitungsdruck geeignet , da eine relativ steile Gradation das Bild konzentriert, ohne es absaufen zu lassen.


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