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Stellungnahme und Vorschläge; „ Rat für freies Parken: Händler nun am Zug“

in den letzten Monaten habe ich mit Interesse die in Kevelaer geführte Diskussion über die Ladenöffnungszeiten, insbesondere der Samstage verfolgt. Da ich mit einem Filialstandort in Kevelaer davon mittelbar betroffen bin, möchte ich mich dazu gerne auf diesem Weg konstruktiv einbringen.

Zur Situation:

Innenstädte wie Kevelaer, haben durch den Wandel des Einkaufsverhaltens für viele Kunden stark an Attraktivität verloren.
Ein weiterer Faktor, der zu einem Frequenzverlust führt, ist die Dezentralisierung des Einzelhandels: hier sind in Kevelaer Ansiedlungen von „dm“ und „Edeka“, sowie anderer Gewerbetreibenden an den Ausfahrtstraßen mit Ihrem enormen Parkplatz-Angebot zu nennen.

Der Einkauf findet heute in der Regel – wenn nicht online – dann mit dem Auto statt. Für den Kunden sind Parkgebühren und die damit verbundenen Umstände (Ticket ziehen, fristgerecht wieder zurück sein) ein nachvollziehbarer Grund, die Innenstädte zu meiden.
Wenn man es nüchtern betrachtet, belasten wir den Konsumenten also mit Gebühren, damit er überhaupt erst zum Geldausgeben zu uns kommt.

Die von der Stadt nun an die Händlerschaft angetragene Verlängerung der Öffnungszeiten mit Hilfe eines kurzzeitigen Park-Bonbons, halte ich für nicht zielführend.

Eine Initiative der Stadt müsste meines Erachtens ganzheitlich angegangen werden:

Zunächst sollte festgestellt werden, welche Schnittmengen bei den aktuellen Öffnungszeiten im Handel vorhanden sind. Auf Basis dieser Daten, könnte so eine Vereinheitlichung der Kern-Zeiten vorgeschlagen werden.
Denn: eine Vereinheitlichung und die damit gewonnene Verlässlichkeit für den Verbraucher, führt zu Frequenzsteigerung.

Die 40-Stunden-Woche.

Eine Verlängerung der Samstags-Arbeitszeit – ohne Änderung der aktuellen Situation – ist auch personaltechnisch nur schwer und teils sogar überhaupt nicht realisierbar.

Die Wochenarbeitszeit von Angestellten ist aufgrund der geltenden Gesetzeslage in Deutschland nicht ohne Weiteres zu verlängern. Im Einzelhandel ist zudem die maximale, tariflich geregelte Arbeitszeit von 40 Wochenstunden nicht zu überschreiten. Es gelten weiterhin Pausenansprüche (1 Stunde täglich, spätestens aber nach 5 Arbeitsstunden).
Eine Filiale wie die meine, ist bei der vorhandenen Kundenfrequenz in Kevelaer höchstens mit 2 Personen +1 Minijobber wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben. Eine dritte Vollzeitkraft gibt der Markt unter den gegebenen Umständen – für meinen Betrieb in Kevelaer – noch nicht her.

Wollte ich, mit Rücksicht auf die o.g. Parameter, meine Öffnungszeiten verlängern, bedeutet dies die zusätzliche Anstellung einer Arbeitskraft, da ich sonst meiner Pflicht zur Ermöglichung der Pausen aller Angestellten nicht nachkommen könnte.
Bei dieser zusätzlich einzustellenden Arbeitskraft muss es sich zudem – dies gilt mindestens für alle Fachgeschäfte hier vor Ort, von der Apotheke bis zum Hörgeräteakustiker – um eine ausgebildete Fachkraft handeln. Denn, aushilfsweise Beschäftigte, könnten den Qualitätsvorgaben vieler Betriebe (und damit der Attraktivität der kevelaerer Innenstadt) nicht gerecht werden.

Lösungsansätze:

Lassen Sie uns unsere Ladenöffnungszeiten so miteinander und untereinander synchronisieren, dass es nicht auf mehr Arbeitsstunden hinausläuft.

Eine sinnvolle Planung weiterer Aktionen ist erst danach möglich. Wie es so schön heißt: erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Desweiteren ist es meiner Meinung nach nicht mit einer stundenweise Aussetzung von Parkgebühren getan. (Schon gar nicht, wenn sie umlagefinanziert umgesetzt wird, in dem fiktiv entgangene Gewinne aus Parkgebühren auf andere Parkzeiten aufgeschlagen werden.)

Unseren Kunden würde ein genereller Verzicht auf Parkgebühren – beispielsweise durch Erstattung beim Einkauf – vielmehr entgegenkommen. Dies zusammen mit der oben beschriebenen Verlässlichkeit unserer Öffnungszeiten brächte – so mein Standpunkt – die nötige Belebung.

Mit besten Grüßen aus Kevelaer

Jan Erik Ruelfs


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